Mellina

Märchen-sind-Metaphern

Frauen im Märchen - Mellina - Schicksal einer Frau

 

 

 

 


Ein bitterböses Märchen,
dessen Spannungsbogen sich von zartem pfirsichrosa in dunkles bordeaux-rot verfärbt:

 

7. Mellina

und das Geheimnis der Geschichtenweberin



 

Die Geschichte ist ein Märchen der Autorin, dessen Bilderbogen sie fast in jedem Akt breiter spannt. Wenn im April die Kirschen in voller Blüte stehen, poltern die Wagen der Gaukler und der fahrenden Kaufleute über das Kopfsteinpflaster der schmalen Landstraße. Die Mädchen kaufen bunte Bänder und Haarforken aus Pfirsichholz, aus Walnussholz und aus Horn. Sie flechten mit Efeu und Kirschblüten kleine Kränze und schmücken damit ihr hochgestecktes Haar. Einmal im Jahr ziehen sie ein schönes neues Kleid an. Denn wie in jedem Frühling hat Eure Grafschaft auch in diesem Jahr wieder die jungen Frauen der nahen Dörfer zum Frühlingstanz auf Burg Hiems eingeladen. Die Tante die den Stoff für die neuen Kleider gebracht, hat Biesen und Perlen angenäht, hat gekräuselt und gerüscht, hat Träume erfüllt, ob in pfirsichrosa, ob in vanillegelb oder in süßlila, entzückend und apart. Ach, so stehen sie nun da: Saphira, edel in glattem Taft, Mellina in feinem Musselin ganz zart und Pia in einem Meer aus Plissee und Spitzen, der Mutter entweicht ein leises Seufzen. Ein kleiner Schmerz, ein wenig Angst? Mit wehmutsvollem Blick sieht sie die geliebte Tochter, die vor dem Spiegel sich wendet und sich dreht: Gestern hast du noch deiner Puppe gekocht, mit dem Ball gespielt und das Fischlein im Teich geneckt. Schön und gut gewachsen steht die Tochter stolz in ihren neuen Schuhen, mit dem Anmut der holden Braut in spe. Welche von uns, so kichern die Mädchen, wird es sein? Saphira im gelben Taft? Mellina in rosa Musslin? Pia in lila Plissee? Ein Küsschen für die Tante, eine Umarmung, hier noch ein Ziehen da noch ein Zupfen. „Ach, wunderschön,“ seufzt nun auch die Tante stolz. Hast du Töchter, dann herrscht zur Zeit der Kirschblüte helle Aufregung im Haus. Die jungen Mädchen in den Dörfern können es kaum erwarten, bis das Fest beginnt. Und dann ist der große Tag da, der lange herbei gesehnte.

 Mit dem Blütenkranz im Haar gehen sie in hoffnungsvoller Vorfreude tanzend zur Kutsche. Schon Tage vorher fahren die Kutschen der jungen Herren edler Herkunft über die schmalen Landstraßen, zur Zeit der Kirschblüte. Und das Herz eines manch hohen Sohnes blüht, wenn er auf Hiems auf Brautschau geht. So prüfe was sich für ewig bindet, ob sich eins zum anderen findet. Nur die alten Weiber in ihren grauen Kitteln mahnen: So manche schöne Maid hat sich von Burg Hiems nicht mehr zur Mutter nach Hause getraut. „Doch lass die alten unken, weil doch nur böses sie dunken.“ Die Wagen tragen das heitere Gelächter mit den jungen Frauen über das Kopfsteinpflaster polternd gen Norden, wo die noblen Kronleuchter von Burg Hiems schon im hellen Lichterglanz strahlend sie erwarten.

Im großen Bankett-Saal von Burg Hiems standen die jungen Frauen aus den umliegenden Dörfern nervös an ihren Kleidern zupfend in lockerer Reihe an der rechten und linken Seite des Saals. Ein Raunen ging durch den großen Raum, als die Gastgeberin, Gräfin Marga-Cora de Orléans am Arm ihres Gemahls, dem Grafen Silas den Saal betrat. Die Mädchen mussten sich ein Kichern verkneifen. Denn die alte Gräfin ihre Beg-üßungs-ede -ielt. Sie entstammt einem alten Adelshaus in Gallien, dem heutigen Frankreich. Man sagt, sie habe einen Sprachfehler. Sie konnte sowohl das H nicht richtig aussprechen, was bei vielen Franzosen so ist, als auch das R nicht. Selbst ihr eigener Name klang sonderbar aus ihrem Munde: Maga. Das war der Grund, warum die schrulligen alten Weiber in den Dörfern ihr nicht über den Weg trauten. Sie flüsterten diesen Namen nur, und bei Coa pressten sie die Lippen fest aufeinander und drehten den Kopf zur Seite. Doch daran wollten die jungen Frauen jetzt keinen Gedanken verschwenden. Und dann geschah mit Schrecken das Erhoffte. Forsch griff ein eleganter Jüngling die fromme Pia am Arm, um sie auf die Tanzfläche zu ziehen. Er war so stürmisch, dass er ihr auf die Füße trat und die Ärmste war totunglücklich. Denn soeben hatte sich ihre süße Limonade über lila Plissee und Spitzen ergossen. Sie riss sich los, und rannte unter dem Gelächter der jungen Männer und der Mädchen nach Hause. Unterwegs schnitt ein Kaufmann ihr den Weg ab. „Lass ab von mir. Tu mir nichts zuleide,“ rief sie. Doch der Kaufmann lächelte mild: Du armes Kind, was ist dir widerfahren? Was hat dich so erschreckt? Da fiel sein Blick auf die nasse Stelle an ihrem Kleid, und ein Lächeln ging über sein Gesicht, so als schien er sich über das Malheur zu freuen. Sie geriet in große Frucht vor dem knorrigen Fremden. Doch der legte ihr einen Mantel um, damit sie sich nicht verkühle, und ehe sie sich umsehen konnte, saß sie schon bei ihm auf seinem Wagen. „Gott ist mit dir, mein Kind. Er ist dein Beschützer,“ sagte er. Sie verstand den Sinn seiner Worte nicht, und sie verstand auch nicht, warum die Großmutter ihm die Hände küsste, als er sie in ihr Elternhaus brachte.

 

Auf Burg Hiems ging das Fest weiter. Die stolze Saphira stand hinter einem der großen Pfeiler, welche die Gewölbedecke des Saals trugen. Der gelbe Taft ihres Kleides glänzte wie Gold in dem Licht der Kerzen in den Lüstern an der flachen Decke hinter den Pfeilern und an den Wänden. René, ein Großenkel von Gräfin Marga hielt sie für die Tochter eines Königs. Er konnte nicht sehen, dass Saphira mit Scham und Mitleid bedeckt war, vom Kopf bis zu den Fußzehen.

Sie fühlte die Demütigung die ihrer Schwester beim forschen Ansturm des Junkers widerfahren war ganz tief im Inneren ihres Herzens. Sie verneigte sich vor dem jungen Herren, dankte höflich, und lehnte seinen Wunsch ab, mit ihm zu tanzen. Sie drehte sich herum und fuhr mit der Kutsche nach Hause. „Ach, liebe Schwester, du wirst noch eine alte Jungfer, wenn du so weiter machst,“ lachte die honigsüße Mellina, und dabei schüttelte sie ihren Kopf so, dass sich eine kleine lockige Strähne aus ihrer Frisur löste und lustig auf ihrer süßen kleinen Nase liegen blieb. Sie pustete rasch und schwang das Köpfchen nach der Seite. Da flog die Strähne weg. Das gefiel dem Junker René, und sein Herz überschlug sich fast in seiner Brust, vor Freude. Galant ging er auf sie zu, nahm ihre Hand und er tanzte die ganze Nacht nur mit ihr. Als der Morgen graute, huschte er mit ihr über den Park unterhalb der Burg, hin zu den Pferdeställen. „Meinen weißen Araberhengst will ich dir zeigen. Auf ihm sollst du reiten bis die Sonne hoch oben am Himmel steht,“ sagte er zu der Jungfrau, und sie gehorchte ihm. Als die Sonne hoch oben am Himmel stand, bemerkte Mellina, dass ihre Füße schmerzen. „Die ganze Nacht habe ich getanzt mit dir, und auf deinem Araber bin ich geritten bis zum Mittag,“ sagte Mellina, „nun trage mich nach Hause mein Lieber. Vater und Mutter warten schon.“ Da lachte der Mann: Was, du törichtes Gänslein, eine die tanzen kann wie keine, die ganze Nacht lang, und eine die reiten kann wie keine, bis zum Morgen, die wird auch laufen können wie keine, bis nach Hause. Er gab ihr die Schuhe, die sie beim Tanz getragen hatte. Doch ihre geschwollenen Füße, sie wollten nicht hinein passen, so sehr sie sich auch bemühte. Da sagte er: Hier ist ein Stück Holz. Beiß darauf. Er schnitt je ein Stück von der Ferse ab, steckte ihre Füße schnell in die Schuhe, und schickte sie zu Fuß nach Hause.

 

Mellina blieb noch eine Weile liegen, bis zum späten Abend. An diesem Ort konnte sie nicht bleiben. Man würde sie fort jagen. Sie ging also los, über die nächtliche Straße. Jeder Schritt tat ihr weh. Jeder Schritt war eine Überwindung. Doch sie blieb nicht stehen. Sie ging weiter, einen Schritt nach dem anderen. Es war eine lange endlos scheinende Nacht. Nachts kam sie durch Dörfer, die sie vorher nur bei Tag gesehen hatte. Die Straßen waren menschenleer. Irgendwann gegen Abend erreichte sie das Haus ihres Vaters. Niemand höre ihr Klopfen und so schlief sie vor der Tür ein. Dann drang eine vertraute Stimme an ihr Ohr. Es war die Stimme ihrer Schwester Saphira. Gott sei Dank, dass du wieder da bist. Komm erst mal herein um dich auszuruhen. Dann sollst du essen und trinken, und ein Bad nehmen. Nach dem Bad schlief sie. Man hatte ihr ein schmales Bett zurecht gemacht, in der Dachkammer des Hauses. Dort hin brachte man ihr auch ihr Essen. Als sie genesen war, sagte Saphira zu ihrer Schwester: Mein Gemahl hat gesagt, du musst weiter ziehen. Warum schickst du mich fort, fragte Mellina. Da ging die Tür zu Mellinas Dachkammer auf, und neben Saphira trat René. Er legte liebevoll seine Hand in den Nacken seiner Frau und sagte: Komm. Saphira ging mit ihrem Gemahl ohne sich nach ihrer Schwester um zu drehen. Schweren Herzens begann Mellina, ihre wenigen Habseligkeiten in kein kleines Bündel zu schnüren.

 

Da ging erneut die Tür zu ihrer kleinen Kammer auf und die fromme Pia trat herein. „Weißt du, wie man dich nennt,“ fragte sie. „Claudia, die Hinkende. Claudia-Mellina.“ Und sie erzählte, was geschehen war, nachdem Mellina nicht mehr von dem Fest zurück gekehrt war. Kurz nach dem Fest auf Burg Hiems war der schweigsame Silas gestorben, und die Mutter, Gräfin Marga-Cora lebte nun einsam und alleine auf ihrer Burg, wie in einem Gefängnis. René, ihr einziges Kind, hatte sie verlassen, nachdem er die stolze Sophia zur Frau genommen hatte. Sophia hat viele Tränen geweint um ihre Schwester. So verließ René das Haus seiner Mutter und zog mit seiner jungen Gemahlin in deren Elternhaus. Er baute das Haus an, er erneuerte das Dach, und einen gemütlichen Kachelofen hat er auch eingebaut. So fanden alle genug Platz und lebten in Frieden. Pia küsste Claudia-Mellina zum Abschied.

 

Wieder machte Mellina sich auf den Weg. Im Morgengrauen zog sie los. Ihr Herz war voller Wehmut. Sie ging den Weg zurück, den sie gekommen war. Sie zog ihre dunkle Straße. In stockdunkler Nacht begegneten ihr wieder die Kaufleute. Ein Jahr war vergangen, seit sie bei ihnen bunte Bänder und Haarforken gekauft hatte. Auf den Landstraßen zogen die Kaufleute des Nachts mit ihren Wagen, und tagsüber schliefen sie. So waren sie vor Räubern und Wegelagerern einigermaßen sicher. Doch die Kaufleute waren missmutig. Eine Botschaft war an ihr Ohr gedrungen, nach der es in diesem Jahr kein Fest zur Kirschblüte auf Burg Hiems geben solle. Die Fahnen der Burg stünden auf Halbmast. Trauer. Und noch eine Botschaft war an das Ohr der Kaufleute gedrungen. Euere Grafschaft, die alte Maga soll in ihrer Einsamkeit ein Findelkind bei sich aufgenommen haben. Ein Findelkind, so sagt man. Die alten Weiber aber raunen: Gestohlen hat sie es, von den Verwandten einer armen Mutter die im Kindbett gestorben war. Die Wagen ratterten weiter auf dem Kopfsteinpflaster der schmalen Straße, und Mellina zog ihre dunkle Straße und hinter Horizont sah sie das erste Licht des empor steigenden Morgens.

 

Auf Burg Hiems knüpfte Mellina feine Teppiche aus der allerfeinsten Wolle. Und die alte Maga-Coa kochte einen guten rötlichen Brei aus Schwarzkohl und Erdlingen, und mit dem Fleisch eines Hasen. Den würzte sie mit Öl, einer Prise Salz, Lorbeerblättern, Wachholderbeeren, ein paar Nelken und einer Handvoll fein gemahlenem weißen hart getrocknetem Honig, mit einem Apfel und getrockneten Weinbeeren sowie mit einem Löffel voll Wein.

Wieder kamen die Kaufleute, und sie erzählten, der König wolle seine Soldaten in den Krieg ins Land der Berge schicken. Die Alte ahnte Schreckliches, denn sie kannte das Land der Berge. Über den tiefen Tälern welche die Soldaten durchqueren liegen dichte Wälder. Die Soldaten marschieren in ihr Verderben, in einen Hinterhalt. Mellina gefror das Blut in ihren Adern, als sie die Rede von Maga-Coa hörte. Sie sah auf den Teppich, den sie für den König knüpfen sollte. Da knüpfte sie mit dem Geschick einer Meisterin und mit der Muse einer Künstlerin ein Bild in das Muster des Teppichs. Berge, Täler und unter Baumstämmen begrabene Männer, Helme, Schilde und fremde Feldzeichen unbekannter Könige und über diesem Bild das Wappen des siegreichen Königs. Der König, der den Teppich sah, konnte sein Staunen nicht verbergen. „Dieser Teppich ist ein Meisterwerk,“ sagte er, „Ich bezahle euch den doppelten Preis dafür, wenn ihr mir noch mehr davon bringt“. Die Kaufleute versprachen es. Da beklagte der König sich bei den Kaufleuten wegen der vielen alten Soldaten, die hinkend, einäugig und mit tiefen Wunden in die Heimat zurück kehrten, die nicht heilen wollen.

Mellina knüpfte ein Bild in das Muster des Teppichs. Da gingen die Soldaten hinter einer fremden Standarte. Vier trugen ein Schild, und der fünfte ging über das Schild gebeugt mit seinen Kameraden.  Über den Soldaten hing eine große Waage mit dem Wappen des Königs. Darin lagen Rechentafeln. Andere Rechentafeln hielten Soldaten in ihren Händen, die gebrochene Beine hatten. Und vor den Soldaten waren Zöllner zu sehen, die eben solche Rechentafeln und sogar die Waagen mit dem königlichen Wappen bei sich hatten. Als der König diesen Teppich sah, schwoll seine Brust, und sein Herz schlug heftig vor Freude. Diesen Teppich wollte er nicht betreten. Er hängte ihn an die Wand in seinem Arbeitszimmer. „Gesegnet sei der Künstler der dieses Meisterwerk schuf,“ sagte der König, und er fragte:  „Wie ist sein Name?“

 

Die Kaufleute sahen sich an, und dann sprach einer: Claudia-Mellina, die Hinkende. Sie lebt bei Maga-Coa, der alten Hexe die in ihren jungen Jahren eine Hure war. Man hatte sie mit Schimpf und Schande aus dem Haus gejagt, und sie verließ ihre Heimat in Gallien. Der König schwieg ob des Hauses Orléans. Wie kommt es, dass ein verstoßenes Weib in diese Gegend kommt? Die Kaufleute sagten: Zog ihre dunkle Straße, und es war eine lange Nacht. Da traf sie einen alten Soldat, der lange über das Schild gebeugt gegangen war. Nun hauste er alleine in einer verlassenen Burg. Auch er hatte im Land der Berge gelegen. Als er bewusstlos dalag, kamen sie, und sie quälten ihn, so dass er lange über das Schild gebeugt laufen musste. Sein Name ist: Silas, der Schweigsame. Jetzt ist Silas tot und niemand hat je seine Stimme gehört. Und die alte de Orléans hat die hinkende Claudia-Mellina in ihr Haus gelassen. Dort sitzt sie nun und knüpft.

 

„Möge Gott sie segnen,“ sagte der König. Lange möge sie leben, so wie auch ich lange leben werde. Sage ihr: „Gott möge dich segnen. Lange mögest du leben, so wie auch ich lange leben werde.“ Die Kaufleute richteten der alten Maga-Coa die Worte des Königs aus. „Oh, dieser König,“ dachte sie, „dieser elende Mensch aus Erde. Möge Gott ihm gnädig sein, diesem alten Schuft.“ Und Claudia-Mellina webte einen dritten Teppich. Und wieder webte sie eine Geschichte in das Muster eines Teppichs der Teppich fertig war, nahm sie den großen Flakon von der Anrichte im Speisesaal auf Burg Hiems.

Viele endlos lange Tage hatte Mellina gewebt und geknüpft, während Maga Coa ihr von den Gewürzen und duftenden Kräutern ihrer Heimat erzählte. Da ersann Mellina einen Duft, der selbst die hohen Räume der alten Burg durchflutete, wie der warme Sommerwind, der von den Nadelwäldern her über die weiten Auen und Wiesen den Klang der Lauten und Trommeln zu ihr wehte, die in jenem Schicksalssommer auf Burg Hiems gespielt haben. So wuchs die Geschichte unter ihren Händen und der Teppich wurde prächtig. Da war ein junger, schöner Königssohn zu sehen, der sich Bräute zeigen ließ. Doch im Reich gab es fast keine jungen Frauen mehr. Das Sumpffieber hatte sie alle hinweg gerafft. Also schwärmten die Soldaten aus in die Städte, und sie holten Weiber aus den schmalen finsteren Gassen. Den Weibern entrissen sie ihre gelben Kleider und warfen sie ins Bad. Als die Weiber sauber gewaschen waren, rieb man sie mit duftendem Öl ein, und Mellina spritzte ein wenig von dem Parfum auf den Teppich, bevor sie ihn zusammen rollte.

Die Weiber auf dem Teppich ließ man mit einer Vase auf dem Kopf exerzieren, so lange, bis sie gerade gehen konnten, ohne dass eine Vase zu Bruch ging. Dann steckte man die Weiber in wunderschöne Kleider aus weichem wollenen Musselin. So hat man sie dem Königssohn gebracht, der Brautschau hielt. Der ahnungslose Königssohn nahm aus ihren Händen schwarze verdorbene Äpfel und aß. Der König, dem sein Leben lieb war erschrak, als er diesen Teppich sah. „Oh, wie herrlich,“ rief er aus, „mir fehlen die Worte.

Das ist der schönste Teppich, den ich jemals gesehen habe“. Und er sagte zu seinen Beamten: Bringt mir Mellina die Honigsüße. Ich will sie zur Frau nehmen. Und bringt mir auch die alte Marga. Mein Herz wird voll Freude sein, wenn Mellina, mein Weib, erst in mein Haus eingezogen ist, mit Marga, ihrer geliebten Tante. Und so wurde bald Hochzeit gefeiert, und die Fahnen sollten nie wieder Halbmast tragen, und Freude, Liebe und Glück sollen das Haus füllen, für immer.

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