Der-Fremde

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Ein Liebesmärchen
Eine skurrile Geschichte aus der Sicht eines geheimnisvollen Fremden

 

Der Fremde

 

Der Fremde - Ein skurriles Liebesmärchen - b-naporra  (Bild auf der HOME-Page auch als Hintergrundbild. Unten.)
Ein skurriles Liebesmärchen

 


Die Frau zeigte fragend auf die dunkle Narbe auf seiner linken Wange. Er wandte den Blick ab, und starrte mit stechendem Blick hinaus in die Ferne. Nach einer Weile zischte er böse etwas vor sich hin, das sie nicht verstand. Es klang wie: Torresacis. Er schob die Fleischbrocken an den Rand der eisernen Pfanne, die vor ihm auf ein paar Steinen im Feuer lag, und er warf das Gemüse in die Mitte, das auf dem Brett neben ihm lag. Er schien von Zorn erfüllt, so dass sie es nicht wagte, ihn nach dem Wort zu fragen, das diesen Hass in ihm zu wecken vermag. Sie starrte mit ihm in die Ferne. Da durchdrangen seine Worte das Schweigen: „Wir wollten seine Wunde versorgen. Er hat nach uns getreten. Da flog dieses verfluchte Ding, da traf es mich an der Wange.“ Er gab ihr den eisernen Spatel in die Hand, mit dem er das Fleisch an den Rand geschoben hatte. Dann stand er auf und ging ein paar Schritte zu seinem Rucksack. Er holte zwei Kupferlöffel heraus und putzte mit einem Zipfel seines Mantels. Die Frau rührte besorgt in dem Gemüse, während ihre Gedanken bei dem Mann aus der Ferne blieben. Welches Siegel mag sie wohl von seiner Seele abgerissen haben? Sie kochte das Essen und schwieg.

 

Als er wieder ans Feuer kam, nahm der die Pfanne, stellte sie zwischen sich und die Frau auf den Boden und gab ihr einen Löffel. Er setzte sich zu ihr und fragte: „Was ist es, das dein Herz erfüllt und deinen Mund vor mir verschließt?“ Sie sah ihm in die Augen, und dann legte sie ihren Blick auf seine Hände, und sie sprach: „Weiß nicht, woher ich bin gekommen, weiß nicht, wohin ich wird‘ genommen, doch weiß ich fest, dass über mir ist...“ Und er sprach: „…ein Gott, der nicht inmitten von uns ist.“ Da riss sie ihren Blick hoch, zu seinen Augen und sie widersprach: „Doch.“ Sie dachte einen Atemzug lang nach. Hitze stieg in ihr auf. Er schwieg. Sie sprach: „Das ist wie mit dem Vater mit den zwei Söhnen. Der eine verlangte schon zu seinen Lebzeiten sein Erbe, um es zu verprassen. Der Vater gab es ihm, und lies ihn ziehen. Als der Sohn alles ausgegeben hatte, und als er fürchterlich gescheitert war, kroch er demütig und voller Scham zu seinem Vater zurück. Was glaubst du, was der Vater gemacht hat?“ Er fragte: „Wer ist der Vater?“ Sie erklärte: „Der Vater hat viele Namen. Er hatte ihn ziehen lassen, damit er aus der Einöde des weiten Landes hinaus kommt, so dass er die große Stadt und die Menschen kennen lernt. Er sollte lernen, zu entscheiden. Er sollte klug werden, aus seiner eigenen Erfahrung. Irgendwann hat der Sohn gemerkt, dass man Freunde nicht kaufen kann. Er hat noch mehr gelernt. Und er hat gelernt, was es heißt, am Ende zu sein. Schlimmer, als am Ende…“ Da sprach der Mann aus der Fremde zur Frau: „Eine dunkle Straße führt zurück in die Heimat.“ Eine dunkle Straße, du kannst nichts sehen. Doch setzt du einen Fuß vor den anderen, und irgendwann wird es heller. Du bist noch nicht angekommen. Doch es wird heller. Und wer das Dunkel dieser Nacht kennt, der vergisst es nicht. Der Fremde und die Frau aßen. Welches Land wohl möge die Heimat des Fremden sein. „Erzähle mir von deiner Heimat,“ so sprach die Frau. Der Mann schluckte seinen Bissen herunter und sprach: „In meiner Heimat steht die Sonne an jedem Tag am Himmel. Ihre Wärme war mein Verlangen, wenn meine dunkle Straße mich durch Kälte und Nässe führte, wenn jeder Schritt eine Qual war und wenn Hunger und Heimweh schwer auf mir lagen. Die grünen Auen meiner Heimat, mein Geist vermochte nicht mehr, sie zu sehen, wenn ich auf meiner dunklen Straße ging…“ Sie sah in seine braunen Augen und sprach: „Du sprichst von deiner Heimat. Doch Freude kann ich in deinen Augen nicht sehen. Ich sehe nur Bitterkeit in deinen Augen. Und wenn du auch von deiner Heimat erzählst, so erzählst du doch unablässig vom Krieg.“ Der Fremde sah sich um. Dann zeigte er auf die Silhouette der Stadt, die in der Ferne zu erkennen war. Er sprach von Lärm, der aus allen Richtungen kam, eine Mischung aus unnatürlichen Stimmen, Musikfetzen, Dröhnen, und den Stimmen der Menschen, die sich eine Hand ans Ohr hielten und Dinge vor sich hin sprachen, die er nicht verstand. Alle Menschen sind in Eile. Sie stehen in Trauben an den Straßen und plötzlich halten die Wagen ohne Pferde und ohne Ochsen an, und die Menschen laufen los. In den Wagen sitzen blasse Menschen. Sie rauchen Tabak und sie essen in ihren Wagen, aus denen laute Musik dröhnend an sein Ohr dringt. Die Menschen sitzen auf Stühlen an kleinen Tischen und essen. Sie eilen durch die Straßen, und sie essen. Die Kleider der Menschen sind sauber. In den Straßen riecht es nach Rauch, so als ob Pech brennt. Er erzählt von der Luft, die in seinen Augen und in seinem Hals brennt. Das Wasser in den Brunnen wollte er nicht trinken. Es roch beinahe wie Soda. Da waren auch Musikanten auf den Straßen. Die Menschen sind freundlich. Sie blieben bei den Musikanten stehen und sie lächelten ihnen zu. Manchmal warf einer den Musikanten eine Münze in ihre Kiste. Anders als in den Dörfern, starrten die Menschen in der Stadt ihn nicht an. Er erzählte, wie er immer der untergehenden Sonne entgegen ging, und wie sein Weg ihn schließlich aus der Stadt hinaus führte, während neben ihm die Wagen in wahnsinniger Geschwindigkeit vorbei flogen. Er erzählte, wie er in einem kleinen Dorf Mut fasste, und an die Tür eines kleinen alten Hauses klopfte, dessen Bewohner wohl nichts von der Stadt wissen. Als sich die Tür öffnete, stand eine Frau vor ihm. Sie trat wortlos zur Seite und lies ihn herein. Sie deutete zur Küche. Dort holte sie Wasser aus einem Wasserhahn, das auch nach Soda roch. Sie kochte einen Aufguss aus Minze, und sie streute grobes weißes süßes Pulver hinein.  Nachdem er getrunken hatte, spürte er, wie er zu Kräften kam. Dann gab sie ihm ein Stück Brot und Brei aus Erbsen, Kartoffeln und Fleischbrühe. Er aß und schlief ein auf einer gepolsterten Bank mit einer Rückenlehne und Armlehnen. Als er aufwachte, saßen die Frau und ihr Mann in kleinen Bänken neben ihm und starrten ihn an. Er wollte nach seinem Messer greifen, als er in einem Fenster Menschen sah, die in einer vom Krieg völlig zerstörten Stadt standen. Er erzählte, wie es war, als er begriff, dass dies keine Menschen waren, sondern nur sich bewegende Bilder von Menschen. In diesem Fenster sah er noch oft den Krieg, Katastrophen, und so sprach er zu dem Mann und seiner Frau: Habt Dank für eure Gastfreundschaft. Nun habe ich genug vom Krieg gesehen. Ich will gehen, und meine Heimat suchen. Die Frau hatte geschwiegen, während der Fremde erzählte. Ihr Blick schien beinahe liebevoll. Er sagte zu ihr: „Nun sage mir, wer redet die ganze Zeit vom Krieg. Die Menschen, die ich sah, sie starren mit leeren Augen in das Fenster, in dem sie Krieg und Zerstörung sehen, und dabei stopfen sie sich ihre Speisen in den Mund. Diese Menschen, sie sind sehr sauber, doch in ihren Herzen sind sie wie Tiere.“  Die Frau wollte widersprechen. Doch es schien ihr, dass der Fremde genug Worte gehört und genug Dinge gesehen hat, die er nicht versteht. Da nahm sie eine Kartoffel von dem Gemüse, das sie nicht für ihre Speise verbraucht hatten. Sie rieb das rohe Gemüse an ihrem Rock ab und aß. Die Erde knirschte zwischen ihren Zähnen. Doch sie kaute und schluckte. Dabei sah sie ihn böse an. Der Fremde fing an zu grinsen. Dann nahm er eine Kelle und schöpfte vorsichtig Kaffee aus einem Topf, ohne den Satz aufzurühren, und dann reichte er ihr die Kelle. Sie spitzte ihre Lippen, dann öffnete sie den Mund um Luft zu holen, und dabei riss sie ihre Augenbrauen nach oben. Dann sagte sie: „Hm, zu bitter. Zucker ..und Milch. Mel. Et Lac.“  Der Mann legte die Kelle in den Topf mit dem Kaffee. Er holte seinen Rucksack und kramte tatsächlich ein Glas Honig heraus. Das stellte er vor die Frau. Dann nahm er die Kelle und ging zu der Stute, die drüben auf der Wiese graste. Er legte seine Hand auf ihren Rücken und streichelte das Tier. Er streichelte es an der Seite, und unten am Bauch. Dann hielt er die Kelle unter die Stute und griff unter ihren Bauch, um ein wenig Milch abzumelken. Das Pferd aber gab ihm mit dem Kopf einen harten Stoß an den Oberarm, so dass die Kelle ins Gras flog. Er ging ruhig ein paar Schritte von dem Tier weg und holte die Kelle. Als er sich zu dem Pferd herum drehte, lief es weg. Da ging er langsam auf der Wiese auf und ab. Alle paar Schritte tat er einen kurzen Pfiff und ging weiter. Nach einer Weile kam das Tier und ging hinter ihm her. Als er neben die Stute ging und seine Hand nach ihr ausstreckte, lief sie erneut weg. So ging er wieder auf und ab, alle paar Schritte kurz pfeifend. Als das Tier wieder zu ihm kam, wiederholte er die Prozedur, und die Stute ließ sich melken. Da ging er mit einer Handvoll Milch in der Kelle zu der Frau, tauchte die Kelle langsam in den Topf mit Kaffee, und als sie gefüllt war, gab er die Kelle der Frau. Dann holte er mit seinem Löffel Honig aus dem Glas und rührte den Kaffee mit dem mit Honig gefüllten Löffel um. Er nahm die Kelle und hielt sie der Frau hin. Sie lächelte, nahm die Kelle aus seiner Hand, gab ihm den anderen Löffel in die Hand und trank, während er den Rest der Speise aus der Pfanne aß. Sie erzählte ihm von dem kleinen Haus am Waldrand, in dem sie lebt. Auf die Frage, wie viele Kinder sie habe, antwortete sie lächelnd: „Drei.“ Sie verschwieg ihm, dass die Kinder zu ihrem Mann gezogen sind, nachdem er sie verlassen hatte. Doch sein Blick verriet, dass er etwas in ihren Augen sah, das sich wie Schmerz in seinen Augen spiegelte.

 

Um seinem Blick zu entgehen und um sich nicht kundtun zu müssen, stand sie auf und rief ihre Mutter an. Sie erzählte ihr, sie habe Rast gemacht, und sie würde erst spät abends zu Hause ankommen. Der Fremde hatte ihren Wagen aus dem kleinen Graben heraus gezogen. Doch von dieser Begegnung wollte sie ihrer Mutter nicht erzählen. Sie bedankte sich bei ihm, und sie versprach, dass sie ihm morgigen Abend Geschirr aus Blech, Linsen, Salz, Öl, Pfeffer, Brot, Kaffee und einen großen Topf voll Suppe bringt, und ein Glas Honig. Der Mann mit der Narbe lachte, und er winkte ihr zum Abschied hinterher. Sie dachte: Ich werde alles in eine Wolldecke wickeln, und dann bringe ich es ihm. Als sie sich am Abend des folgenden Tages der Waldlichtung näherte, sah sie schon von weitem, dass die Stute nicht mehr da war. Auch von dem Fremden mit der Narbe war weit und breit nichts zu sehen. Da band sie das Bündel an den Ast einer kleinen Buche und fuhr davon. Als sie am nächsten Tag in die Stadt fuhr, suchten ihre Augen die Waldlichtung nach der kleinen Buche ab. Ihr Herz war erleichtert, als sie sah, dass das Bündel nicht mehr da war. Es vergingen zweieinhalb Jahre. Sie dachte nicht an den Fremden, als es an ihrer Tür klopfte. Als sie öffnete, sah sie einen Mann da stehen, mit Sandalen und wollenen und ledernen Fußlappen, einer Jeans, einem Schal und einem Parka. An seiner linken Wange war eine dunkle Narbe.

 

Sie bat ihn herein. Er nahm am Tisch Platz, und sie kochte Kaffee mit Milch und Honig. Er berichtete, dass sein Handwerk, das er in seiner Heimat erlernt hatte, ihm geholfen hat, bei einem Schmied Arbeit und Brot zu finden. Er erzählte lachend, dass er Menschen traf, die ihm geholfen haben. So gab man ihm ein kleines warmes Haus mit dünnen Wänden und einem flachen Dach, in dem er mit drei Männern lebte, die wie er, ihre Heimat verloren haben. Sie sind vor dem Krieg hierher geflohen. Dann mischte sich Bitterkeit in seine Mine. Eines Tages, so sagte er, traf er in der Stadt drei seiner alten Kameraden. Doch man hat ihn von den Seinen getrennt. Sie blickte in seine Augen, und sie sah darin zwei kleine dunkle Seen, wie in einem Wald. Da dachte sie an die Straßenmusikanten in der Stadt. Sie sang, und der Fremde lachte glücklich, als sie ihn fragte, ob auch er singen kann. Er sang ihr ein Lied aus seiner Heimat vor, und sie trommelten mit den Händen einen fremdartigen Rhythmus auf dem Tisch. Sie verabschiedeten sich bald lachend, und er drehte sich nochmal winkend zu ihr um, als er ihr Haus verlassen hatte. So vergingen zwei Wochen. Da stand er wieder vor ihrer Tür. In seinem Rucksack hatte er ein Tamburin und eine Flöte, die er geschnitzt hat. „Bringe mich in die Stadt,“ sagte er. In der Stadt stellte er sich unter eine Linde auf dem freien Platz vor dem Kaufhaus.  Er spielte auf seiner Flöte und sie trommelte den Rhythmus, den sie von ihm gelernt hatte, auf dem Tamburin. Wenn er nicht auf der Flöte spielte, sang er. So tauchten sie den freien Platz in den melodischen Klang einer fremden Sprache. Die Leute blieben lächelnd stehen, und manche warfen eine Münze auf seinen Rucksack. Plötzlich war ein kleiner Chor zu hören, wenn er den Refrain sang, und auch während der Verse hörte der kleine Chor nicht auf, mitzusingen. Da standen seine Kameraden, mitten unter den Schaulustigen. Und in ihren Augen leuchtete die Sonne Roms. Für die Menschen war es ein schöner sonniger Wintertag, und in den Herzen der vier Kameraden wurde es hell, und ihre dunkle Straße hatten sie hinter sich gelassen. Nach dem Gesang wechselten die Männer vergnügt und aufgeregt viele Worte miteinander, bis sie sich eilig wieder voneinander verabschiedeten. Die Frau brachte den Fremden zu der Schmiede, in der er eine Anstellung gefunden hatte. Die Flöte hatte er in seine Jacke gesteckt und das Tamburin lag auf dem Rücksitz des Wagens. Als sie anhielt, drehte der Mann sich herum, um das Instrument zu holen. Als er danach griff, legte sie ihre Hand auf seinen Oberarm. Sie bat ihn: „Ach, sei doch so lieb, und lass mir das Tamburin.“ Er sah sie an und lächelte, und sagte: „Es soll dir gehören.“ Er lächelte, doch in seinen Augen sah sie wieder die kleinen Seen. Sie konnte seine Traurigkeit nicht begreifen, denn er vertraute ihr ein Geheimnis an: „Wir werden ein Haus suchen, darin werden meine Kameraden und ich wohnen.“ Als sie das hörte, lachte sie vor Freude. Gott hat euch hier her gesandt. Er wird euch segnen.“ Der Abschied war fröhlich. In der Stadt aber, wurden die vier Musikanten mit dem fremdartigen Rhythmus nie wieder gehört. Der Winter verging. Als der Frühling kam, und als sie in ihrer Küche stand und durch das geöffnete Fenster den Vögeln zuhörte, drang plötzlich eine bekannte Melodie an ihr Ohr. Sie hörte den Klang einer Flöte. Da rannte sie zur Kommode im Schlafzimmer, holte das Tamburin und trommelte den fremdartigen Rhythmus aus einem fernen Land, den sie von dem Mann mit der Narbe gelernt hat. Sie bemerkte nicht, dass das Flötenspiel verstummt war, bis es plötzlich ungeduldig an ihrer Tür klopfte. Als sie öffnete, stand ein lachender Mann vor ihr. In seiner Hand hielt er ein Bild von einem alten, ziemlich heruntergekommenen Haus in der Hand. Sie kannte das Haus, war sie doch schon oft daran vorbei gefahren. „Bis der Winter kommt, wirst du es nicht wieder erkennen,“ sagte er. Sie tranken Kaffee mit Milch und Honig, und sie aßen Haferflocken mit Zucker und Kakaopulver und Milch. Beim Abschied fiel sein Blick auf den herunter gebrochenen Zaun. „Morgen,“ so versprach er, „werde ich kommen, und den Zaun reparieren“. So kam es, dass der Fremde oft zu dem Haus am Waldrand kam. Sie gab ihm Äpfel, er schnitt die Obstbäume im Herbst zurück. Und als der erste Schnee schon fiel, zogen vier Männer ins Nachbardorf.   

 

Er schob die Fleischbrocken an den Rand der eisernen Pfanne, die vor ihm auf dem Herd stand, und sie warf das Gemüse in die Mitte, das auf dem Brett neben ihnen lag. Sie stellten die Pfanne auf den Tisch, und fünf kupferne Löffel  leerten das Gefäß. Dann erklangen zwei Flöten, eine große Trommel, vier Männerstimmen und ein Tamburin, und nach dem Gesang füllte Lachen und Stimmengwirr das Haus am Rande des Dorfes. Der Fremde holte die Frau noch oft zum Gastmahl, zu Musik und Gesang in das alte Haus. Und er kam oft in das Haus am Waldrand, reparierte, schnitt Bäume und Büsche und eines Tages brachte er seine Kameraden mit zum Gastmahl. Er nahm ihre Hand und die Männer wickelten ein rotes Band um ihre Hände. Er hielt ihre Hand hoch, und unter dem Jubel der Männer ist ein kleines Stück Rom auferstanden. Und die Sonne schien jeden Tag in das Haus am Waldrand, und der Fremde und seine Frau horchten jeden Tag in ihre Herzen, um zu fühlen, wohin der, der sie gesandt hatte, sie schicken möge. Möge er sie über Sock und Stein schicken, durch tiefe Täler oder über dunkle Straßen, so waren sie doch gewiss: Da leuchten drei kleine Lampen in ihren Herzen, die niemals verlöschen werden. Das sind Glaube, Liebe, Hoffnung.

© B. Naporra (Märchen der Erinnye - Be X.)




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