Märchen-vom-Fluch-Paupertas

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Das Märchen vom Fluch Paupertas

 

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Das Märchen:

Am Anfang war ein Reiter, den schickte sein Herr über die Paragraphen. Das entging nicht dem Blick von Sophia und Malitia, das sind die Weisheit und die Bosheit. 

Es war einmal ein Richter, der war der vielen Aktenberge auf seinem Tisch müde. Da ersann er einen magischen Schrank. Den baute er aus hartem Eichenholz, und er versah ihn mit dem Siegel seiner Macht. Viele Arme und Elende scharrten an diesem Schrank, und viele Edle die sich der Elenden und der Armen erbarmten, taten das Gleiche.  Doch das harte Holz war nicht zu erweichen, und das Siegel der Macht war nicht zu brechen. Jeden Tag sortierte der treue Richter zwei Akten fein säuberlich in seinen Schrank ein.  Da kam eine böse Hexe, und die sah, dass kleine Käferlein jeweils die eine Akte fraßen. Der Richter lächelte, und von nun an nannte er seine kleinen Helferlein Scarabaeus-Tempus, Zeit-Käferlein. Die zweite Akte aber schwoll an.  Sie schwoll an, denn sie war befallen vom Fungus-Bellum-Parare, von dem giftigen Pilz der bösen Hexe aus dem Land der verbrannten Erde.  Sie hat zum Krieg gerüstet, ohne die Antwort des Richters abzuwarten. 

Der Richter ward der Hexe überdrüssig, und so sagte er: Dir will ich zeigen, wie es dem ergeht, der meine Macht nicht respektiert. Wer arm ist, wie du, und vom König ein Almosen bezieht zum Leben, aus den Händen von Bruder Hartz, der muss meine Schreiber nicht bezahlen. Bei dir aber mache ich eine Ausnahme. Die Hexe aber klagte: Du tust mir Unrecht, mein Richter. Und viel zu lange lag mein Gesuch beim Scarabaeus-Tempus in der Schublade. Doch der hat es nicht gefressen, denn der Fungus-Bellum-Parare haftet meinem Gesuch an, ob der verbrannten Erde auf der ich wohnen muss. Ich begehre bei deinem Schreiber: Nimm die Klage zurück, der Scarabaeus wegen, denn elend bin ich und arm. Doch der Richter wies ihr Flehen ab. „Aus deiner kleinen Schatulle, in der du dein trockenes Brot versteckst, sollen meine Soldaten den Lohn für meine Schreiber holen,“ sagte der Richter und versiegelte diese Worte mit seinem Siegel. 

Da sah die Hexe ein irdenes Siegel beim König liegen, der ihr ein Almosen gab durch die Hände des treuen Bruder Hartz. Mit diesem irdenen Siegel versiegelte sie ihre kleine Schatulle, in der ihr täglich Brot lag. So war es vor dem Zugriff der Soldaten des Richters sicher. Auf ihrer kleinen Schatulle prangte von nun an das große P, das den Soldaten verbietet, diese Schatulle zu pfänden. So vergingen ein paar Wochen. Da schrieben die Soldaten der bösen Hexe einen Brief. Darin stand: „Dem Kaiser wollen wir sagen: Du schuldest dem König Geld. Aus dem Gefäß, in dem die Steuer-Denare liegen mögen die Wächter dir nicht zurück erstatten, was dir zusteht, denn was dir zusteht, das mögen die Wächter anrechnen, auf die Groschen welche dir als Erstattung zustehen.“ Da lachte die arme Hexe böse. Und sie tauchte ihre Feder mit sie zu schreiben pflegte in Gift.

Sie schrieb den Wächtern der Steuer-Denare:  Vorbei ist das Jahr in dem das Almosen des Königs mich am Leben erhielt. Denn nun verdiene ich mein Brot mit der harten Arbeit meiner eigenen Hände. Doch mein Einkommen ist wenig, und so kommt es, dass ich dem König keine Steuern zahlen muss. Die Worte der Soldaten dienen nur dazu, mich beim König und den Wächtern seiner Steuer-Denare in Misskredit zu bringen.  Jedoch, grollt mir nicht, ihr hoheitlichen Wächter. Unschuldig bin ich, und ich will dem König nicht vorenthalten, was des Königs ist. Ihr Wächter, seid so gnädig, und schenkt meinen Worten Gehör:

Elend bin ich und arm, denn da war ein Gefährte, der kein treuer war. Er hat mich verlassen, und das liebste Gut hat er mit genommen. Ich weinte die Tränen einer Mutter, die um ihr Kind weint. Mütter sind Engel. Sie geben niemals auf. Wenn ihre Flügel verbrennen, weil ihnen das Liebste genommen ist, ihr Kind, so fliegen sie dennoch weiter, unter Tränenwolken, doch sieh: Auf einem Hexenbesen. Und mein Gefährte, der kein treuer war, nahm auch die Schatulle mit, aus der ich mein Brot nahm. Da fiel ich vor dem König auf die Knie und er gab mir ein Almosen, dass ich nicht verhungern muss. Lange lebe der König.

Nun will auch ich keine Treue mehr sein, und so bitte ich euch erneut, hört auf meine Worte: Im Land der Väter meines Gefährten verkaufte meine Schwiegermutter einen Teil ihrer Scholle, die an Wert gewonnen hatte. Denn die reichen Leute aus den Städten wollten sich Häuser darauf bauen. Da sagte der König: Den Gewinn sollst du mit mir teilen, es sei denn, du kaufst von dem Geld eine andere Scholle die du bewirtschaftest. Im Land der Väter aber gab es viele Häuser und wenig Land, und die Schwiegermutter ist schon alt an Jahren. Da sprachen sie und mein Gefährte: Lass uns in der Ferne Land kaufen. So kauften sie Land bei eurem König, ihr Wächter. Und mein Gefährte sagte zu euch: Hier habe ich ein Haus gekauft. Hier habe ich Land gekauft. Hier lebe ich. Hier schreibe ich meinen Namen unter den Brief, mit dem ich das neue Land in eure Rollen eintragen lasse.  Das ist gerecht. So muss meine Mutter den Gewinn nicht mit dem König aus dem Land meiner Väter teilen, denn ich bin auch hier ein treuer Bauersmann.

Dann aber hat mein Gefährte, der treue Bauersmann, mich verlassen, so wie ich es sagte. Und seht, euer König schreibt seine Briefe noch immer an den Bauersmann und seine Mutter, und die Briefe werden in mein Haus gebracht. Dies geschieht, denn den Scheidungsbrief will der Richter mir nicht geben, und den Gewinn wollen sie nicht mit ihrem König teilen.

In der Zeit meiner Einsamkeit habe ich ein Buch geschrieben. Es ist das Buch der Hexe. Und meinen Namen kennen die Leute, die es lesen, nicht. Doch ist es aber so, dass der fünfte Paragraph des Kaisers verlangt, dass ich den Leuten meinen Namen sagen muss, wenn ich es verkaufen will, im Lande der visuellen Städte und Dörfer. Lange genug habe ich nun meinen Namen verschwiegen. Jetzt aber ist es an der Zeit, dass ich ihn sagen muss. Impress und um. 

Nun kann es geschehen, wenn es die Spatzen vom Himmel pfeifen, dass die Leute den Namen vom schlauen Bauersmann und seiner alten Mutter hören werden. So konnte es geschehen, weil mein Gefährte seinen Reiter über die Paragraphen schickte, damit er verhindern möge, dass ein Richter mir den Scheidungsbrief gibt. Das ist die Geschichte vom Paragraphenreiter, der sich vergaloppiert hat.

Auch kann es geschehen, dass die Spatzen das Lied pfeifen, vom treuen Richter Korruptis, der mir den Scheidungsbrief nicht gab, der Schatulle der alten Mutter wegen. Doch, oh weh, ich bezeuge: Der Richter ist kein Böser. Er ist ein Müder, seiner vielen Akten wegen. Und die klugen Leute mögen erkennen: Auch wer schläft, kann sündigen.

Paupertas - Erinnerung ist oft ein einzige das bleibt

Da stand Sophia, die Fürstin der Weisheit auf.

Sie seufzte wegen dem Klagen der Hexe, und sie sprach zu ihrer Freundin Malitia, der Bosheit:  Maliltia, ihr Kind hat die Hexe geliebt. Sie trug es in ihrem Herzen, und da kam ein hoher Reiter und hat es ihr entrissen. Auch ein weiser Richter kann nicht wieder bringen, was verloren ist. So sollte er Balsam auf die Wunde legen, damit sie vernarbt. Doch sieh, der Richter war müde. So kam es, dass der Reiter auf seinem Ross über der Hexe stehen blieb, und das Ross urinierte auf die Wunde in ihrem Herzen. Da blickte die Blutende auf ihre verbrannten Flügel. Sie sprach: "Mütter sind Engel. Sie geben niemals auf, und wenn ihre Flügel verbrennen, so fliegen sie dennoch weiter, doch - sieh, du hoher Reiter, auf einem Besen". Sie nahm ein rotes Eisen und glühte ihre Wunde damit aus. Von da an trug die Hexe ein Loch in ihrer Brust, und sie fing an, ihre Feder in Gift zu tauchen. Dann warf sie die Feder in den Brunnen in der großen Stadt. Und schlimmer noch: Sie flucht meiner geliebten Justitia, der Göttin der Gerechtigkeit. So geh, meine liebe boshafte Freundin Malitia, und bringe der Hexe diese Botschaft: 

 

In alten Zeiten, als Justitia noch "Göttin der Gerechtigkeit" genannt ward,

band sie sich die Augen zu. In ihrer Hand hielt sie die Waage, und sie wurde nicht müde, abzuwägen, ohne Ansehen der Person. Dann aber wurde es finster, und Pest und Cholera kamen über die Menschen, und mit ihnen kam der dreißigjährige Krieg. Als er über das Land gezogen war, lagen die Dörfer in Asche, die Felder lagen brach, und die Edlen und die Klugen, sieh, der Krieg hatte auch sie dahin gerafft. Übrig blieb ein Dutzend elender, geschundener Bauern, und über ihnen standen ein kränkelnder Fürst und seine Schwester. So vergingen die Generationen, und die Landschaften füllten sich wieder mit Menschen. Heute, in der Zeit von Chaos und Mammon, in einer Zeit in der Häuser in den Himmel ragen, siebzig mal höher als im gefallenen Babel, ziehen große Schiffe am Himmel vorüber, und unter ihnen stehen die Donnervögel, großen Libellen gleich, über den Städten. In der großen Stadt sehen die Tauben und die Spatzen auf den Dächern die Menschen vor der Statue der guten alten Justitia stehen. Die Menschen haben mit ihren eigenen Händen eine neue Justitia geschaffen, nach dem Bilde der verlorenen Göttin der Gerechtigkeit.  Aber sieh, diese von den irdenen Menschen geschaffene ist blind, weil sie nur Taler im Auge hat. In den Himmeln aber seufzt Gott, der das alles sieht. Sein Auge erblickt, was das Auge des Bösen nicht zu sehen vermag: Die arme Göttin der Gerechtigkeit steht in ihrem Grab und weint.

 

Die Hexe aber blickte herauf zu Malitia, der Bosheit.

Sie sprach: "Malitia, deine Wege sind nicht gerade." Malitia aber lächtelte. Dann legte sie ihre Hand auf das Loch in der Brust der Hexe und flüsterte ihr zu: "Sophia, die Fürstin der Weisheit hat mich zu dir geschickt." Da blickte die Hexe zu Boden. Sie blickte auf ihre Fußspitzen, bis ein leichter Windhauch ihre Wange berührte.  Sein leises Säuseln drang an ihr Ohr, und sie lauschte. Doch sie verstand nicht, was der Wind ihr zu sagen hatte. Malitia aber rief: "Paupertas, du arme Hexe! Justitia, die Göttin der Gerechtigkeit steht in ihrem Grab und weint, und mit deinem Geschrei wirst du sie nicht auferwecken. Das Pferd des Reiters aber erschreckst du, und er vergaloppiert sich." Da sprach die Hexe:

"Der Mann, welcher über die Paragraphen reitet: Sein Pferd möge ihn erschlagen, das aus dem Galopp über ihn fallen wird. Und vor der Dornenhecke sehe ich eine junge Frau stehen. Sie weint ob des Reiters. Und bittere Tränen fallen auf ihre Füße. Ich aber rufe ihr zu: Tochter, das Licht der Welt hast du erblickt, mit meiner Tochter, am selben schönen Tag. Nun weine nicht ob des Reiters, mein liebes Kind. Sieh, ebenso schön wie du ist meine Tochter, und so stark. Geh mit ihr, und freut euch eures Lebens solange der Lenzwind weht. Jedoch verlasse deine Mutter nicht am Tag des Nebels. Wohin sie geht, dahin wirst auch du gehen, und blicke nicht hinter dich. Und die Sonne möge dein Herz wärmen, und deine Augen mögen leuchten, und Gott möge dich segnen."  

 

B. Naporra

 

Und es war das Jahr des Herren 2014,

in einer Zeit, als die Göttin der Gerechtigkeit nicht aufhörte zu weinen. Es war eine Zeit, in der Paupertas mordet, und "Paupertas mordet" heißt: Armut tut weh. Es war eine Zeit, in der es arme Frauen gab, denen in ihrer Not nichts anders übrig blieb, als ihren übermächtigen Prozessgegner zu verfluchen.

 

 

 

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Märchen vom Fluch Paupertas - Paupertas mordet heißt Armut tut weh Briefmarke Märchen brechen das Schweigen

 

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©B. Köppel-Mutz

 

 


 

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Die Meta-Beschreibung dieser Webseite/Unterseite ist etwas länger ausgefallen: Frauenmärchen beinahe wie zu historischen Zeiten: Märchen online lesen. Auch heute gibt es Miseren, die eine Frau nur als Märchen aufschreiben kann, damit Sie überhaupt gehört wird. In historischen Zeiten waren gewisse Themen schlichtweg ein gesellschaftliches Tabu.  Justitia weint. Paupertas mordet - (Auf Deutsch:) Armut tut weh.

 

 

 

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