Der-Fall-Mathilde-Franziska-Anneke

Märchen-sind-Metaphern

Preußische Gerichtsbarkeit

und der Fall Mathilde Franziska Anneke

keine Beschreibung

 

Frauenschicksal vor fast 200 Jahren: Manchmal ist das gar nicht so lange her, wie man glaubt. - In jeder Frau wohnt eine starke Frau..

 

 

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Die behütete Tochter eines Bergwerkbesitzers wurde zur Autorin, Journalistin und Feministin. Erlittenes Unrecht als Initialzündung, daran hat sich nichts geändert.

Im 19ten Jahrhundert: Ihre heile Welt wurde erstmals schwer erschüttert, nachdem ihr Vater sich 1836 bei einer Investition in ein Eisenbahnprojekt verspekuliert und einen großen Teil seines Vermögens verloren hatte. Um die Familie vor dem finanziellen Ruin zu retten, brachte die Tochter, Mathilde Franziska ein unfreiwilliges Opfer, indem sie eine Ehe mit dem alkoholsüchtigen und zur Gewalt neigenden Weinhändler A. Taboullot einging.

Kurz nach der Geburt ihrer Tochter Johanna verlies die junge Mutter im Dezember 1837 die eheliche Wohnung und zog von Mühlheim am Rhein nach Wesel. Beim Kreisgericht Duisburg reichte Mathilde Franziska Anneke die Scheidung ein. Die preußische Gerichtsbarkeit hat die junge Frau spüren lassen, welche "Ungeheuerlichkeit" ihr Verhalten darstellte. Die junge Frau war mit gesellschaftlichen Normen auf Konfrontationskurs gegangen. Anneke kritisierte: "Die Lage der Frauen sie eine absurde und der Entwürdigung der Menschheit gleichbedeutend". Den Aufforderungen von richterlicher Seite, zu ihrem Ehemann zurück zu kehren, widersetzte sie sich konsequent. Das preußische Gericht verschleppte den Prozess über mehrere Jahre. Irgendwann wurde der geschiedenen Frau schließlich ein lächerlicher Unterhaltsbetrag zugestanden. Zwischen 1838 und 1841 hatte die alleinerziehende Mutter daher angefangen, den Lebensunterhalt für sich und ihr Kind als Schriftsellerin mehr schlecht als recht zu verdienen.

Im Jahr 2014, fast 200 Jahre später, beklagt die Märchenautorin B. Naporra:
"Die Ablehnung meines Antrags auf Verfahrenskosten-Vorschuss für die Ehescheidung, den ich stellte, nachdem mein Ehemann mir mein Kind und die finanzielle Existenzgrundlage entzogen hatte, erfolgte mit der preußischen Begründung: Ich selbst habe die Scheidung gewollt, und dies wegen des Sorgerechts."
 
Mathilde Franziska Anneke schrieb zunächst Gedichte. Später wurden ihre Werke gesellschaftskritisch. 1847 veröffentlichte sie ein Werk mit dem Titel: "Das Weib im Konflikt mit den sozialen Verhältnissen". Sie engagierte sich mit dieser Protestschrift für die Berliner Frauenrechtlerin Louise Aston.
In knapp 200 Jahren hat sich weniger verändert, als wir allgemein annehmen.
 
B. Naporra hatte im Jahr 2012 zunächst Märchen geschrieben
und diese unter dem Titel "Pastell oder Dunkelrot" als Privatauflage für Freunde drucken lassen. Später änderte sie den Titel ihres Buches um in "Ma Carpédiem, Märchen einer Ehebrecherin". 2013 brachte sie das Buch im Selbstverlag öffentlich heraus. 2014 schrieb sie das Märchen vom Fluch Paupertas, und sie engagiert sich in Zusammenarbeit mit dem Verein Mütterlobby e.V. für die Rechte von Müttern. Unrecht bewirkt bei manchen Frauen eine Initialzündung. Bei B. Naporra war das letztendlich der Versuch, die mittellose Frau für die Kosten des verschleppten Verfahrens Aufenthaltsbestimmungsrecht zu pfänden. Als die Pfändung trotz ihres Widerstands 2014 schließlich gelang, löste Naporra  im Anschluss daran ihr Bankkonto auf. Die preußische Gerichtsbarkeit in Waren Müritz lehnte 2012 Verfahrenskostenhilfe und -Vorschuss ab, nachdem ihr Ehemann die gemeinsame Tochter mit nach Hessen genommen hatte. Von Sommer 2013 bis Sommer 2014 lebte die Ehebrecherin wider Willen mit Siggi Naporra zusammen, nachdem sie einen Bekannten bat, ihr jemanden zu vermitteln, der kurzfristig zu ihr ins Haus zieht, damit der seit Februar 2011 getrennt lebende Ehemann nicht mehr ein- und ausgehen kann, wie es ihm beliebt.
 
 
Mathilde Franziska Anneke, Frauenrechtlerin und Journalistin
 
Mathilde Franziska Annekes 2. Ehe verlief glücklich und kinderreich, jedoch in schweren Zeiten, die auch an dem engagierten Paar nicht spurlos vorüber gingen. 1848 wurde ihr zweiter Ehemann verhaftet. Sie war hochschwanger. Während der Haftzeit ihres Mannes gründete Anneke die "Neue Kölnische Zeitung", von der Gesinnung her ein Gegengewicht zur "Kölnischen Zeitung". Ihre Zeitung wurde verboten, und Anneke änderte kurzerhand den Namen der Zeitung in "Deutsche Frauenzeitung", wohl bewußt der Tatsache, dass auch dieses Blatt nicht lange bestehen möge. Schon nach der dritten Auflage wurde die Frauenzeitung beschlagnahmt. Das Aus.
1850 zog Anneke mit ihrem Mann nach Wiskonsin / USA. Dort schloss sie sich engagiert der amerikanischen Frauenrechtsbewegung an. Schon zu ihrer Zeit war diese starke Frau der Überzeugung, dass nur gleiche Bildungschancen zur Gleichberechtigung der Frau führen können. 

Nachdem ihr wegen einer Blutvergiftung die rechte Hand amputiert werden musste, hörte sie mit dem Schreiben auf, aber nicht mit ihrem Wirken. 1865 eröffnete sie eine Mädchenschule, die sie bis zu ihrem Tod leitete. Sie starb am 24. November 1884 in Milwaukee Wiskonsin / USA.

1988 widmete ihr die Deutsche Post eine Briefmarke in der Serie "Frauen in der deutschen Geschichte", eine wenn auch späte, aber schöne Anerkennung ihrer beispielhaften Stärke und ihres Engagements, das sich nicht allein auf die Frauenrechte beschränkte.

 

 
 
 

 

 
 
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